Freitag, 29. August 2014

Plakat-Analyse zur Landtagswahl in Sachsen - Ist das Kunst oder kann das weg?



Angenommen ich bin ein Arbeitgeber und möchte jemanden einstellen. Zum Bewerbungsgespräch erscheinen 7 Kandidaten, jeder hat ein oder zwei Plakate über sich  angefertigt, mit denen er mich – den Arbeitgeber – überzeugen will ihn einzustellen. Was wird mir geboten?

Alle 5 Jahre ist Landtagswahl in Sachsen. Zeitgleich wird der Landtag in Thüringen und Brandenburg gewählt. Angesichts der Plakatlandschaft frage ich mich allerdings was ich da eigentlich wählen soll.
Die einen zeigen ihr Gesicht, die anderen werfen mit Sprüchen um sich, einige probieren beides. Die Aussage bleibt gleich: Wähl mich, aber ich sag dir nicht warum. Wähl mich einfach weil du mich immer wählst oder wähl mich weil du die anderen nicht magst. Keiner aber zeigt mir, was er kann und über welche Kompetenzen er verfügt.

Beispiel Leipzig

Analyse Text
Auf den Bildern mit Kopf ist häufig nur Name der Person und Name der Partei angegeben. Auf den Spruch-Plakaten ist ein Ziel der Partei vermerkt, dies wird häufig durch ein Bild unterstrichen oder illustriert.

Fazit: Die Ziele sind häufig so breit angelegt, dass praktisch jede Partei ihren Stempel hätte daruntersetzen können, auf den Plakaten erfahre ich nichts über die Einstellung und Profession der jeweiligen Person. Aber die Grünen sind hier ganz klar Top-Verlierer. Sie empfehlen einem lediglich sie zu wählen weil...es möglich ist.
Was soll ich hier wählen?
Ich erfahre etwas über die Grundeinstellung der Partei. Etwa 70 % drücken mit ihrem Text ausdrücklich aus, dass sie für Sachsen sind oder Sachsen mögen. Auch wenn die anderen dies nicht tun, sollte ich das bei einer Landtagswahl implizieren. 10-20 % sagen konkret für welche Ziele sie sich einsetzen wollen. 5 von 7 analysierten Plakaten drücken beispielsweise aus, dass sie sich verstärkt um die Bildung kümmern wollen

Analyse Bild
Ob Kopf, Comic oder Landschaftsfoto – Mühe gegeben haben sich alle. Nur die von der Linken scheinen generell ein kleines Problem mit den Augen zu haben.


Fazit: Ich hoffe, dass der Kandidat der Linken mehr kann, als Eisen verbiegen. Auch hier wird auf kaum einem der Plakate etwas über die Qualitäten der zur Wahl stehenden Kandidaten verraten. Mein Auto würde vielleicht tatsächlich die FDP wählen…ja, Katzen würden auch Whiskas kaufen….dummerweise haben Autos in Sachsen immer noch kein Wahlrecht.
Was soll ich hier wählen?
Ich könnte das hübscheste Foto küren…(meine Wahl gibt’s am Schluss).

Analyse Farbgebung
Zweifarbdruck ist billiger, oder? Haben sich deshalb SPD und Piratenpartei für Plakate in Grautönen mit nur einer weiteren Farbe entschieden? Oder, was möchte uns die FDP sagen, deren Plakate eher Warnschildern ähneln?


Fazit: Die Farbgebung ist clever und bleibt hängen, hebt sich ab. Was das schlichte grau bei der CDU allerdings soll, weiß ich nicht. Grau steht ja eher für trostlos, unscheinbar oder Traurigkeit. Was möchte uns die CDU damit sagen? Die FDP drückt jedenfalls mit ihrer Farbgebung ganz klar aus, dass man sich von ihr fernhalten sollte.
Was soll ich hier wählen?
Die geschickteste Werbestrategie haben vor allem die Plakate, die einem im Gedächtnis bleiben. Vielleicht gar keine schlechte Wahlstrategie, so funktioniert das mit der Werbung im Fernsehen ja auch.

Analyse Sexappeal
Politiker sind nicht schön. Vielleicht haben sich deshalb viele Parteien dafür entschieden ohne Fotos ihrer Spitzenkandidaten zu werben. Nun ja, bei der Linken hätte ich mir das auf jeden Fall gewünscht… Aber das eine junge Mädel von der FDP mit den braunen halblangen Haaren, die kess zwei Finger zum Peace-Zeichen erhebt und mit einem Schriftzug gesteht, dass sie verliebt in Sachsen ist, das ist wirklich niedlich.

Fazit: Die Farbgebung der SPD in allen Ehren aber die schwarz-weiß-Fotos wirken ein bisschen wie gehobene Erotik-Fotografie, dazu noch der Blick….“komm, du willst es doch auch – also wählen gehen, mein ich“.
Was soll ich hier wählen?
Na ganz klar, wer der oder die Hübscheste ist. Mister oder Miss Sachsen bekommt ein Kreuz - oder war das jetzt anders gedacht?
Zum Schluss noch mein (versprochener) Wahlplakat-Favorit (allerdings nur weil ich die Amsel mit ihren Jungen so niedlich finde und nicht etwa weil ich der Partei etwas abgewinnen kann):
Leider konnte ich mich anhand der Wahlplakate nicht für eine Partei entscheiden. Keine der Parteien konnte mir klipp und klar sagen wofür sie sich konkret einsetzen wollen, konnte weder Zahlen noch Fakten nennen. Ich habe daher den Wahl-o-Mat befragt. Ich konnte mich leider für keinen der Kandidaten, die sich bei mir beworben haben, entscheiden. Keiner der Kandidaten war fähig mir auf zwei Seiten seine Qualitäten nahezulegen.
Für andere Unentschlossene gibt es hier den Wahlomat für die Landtagswahl in Sachsen!

Was ich mir für die nächste Wahl wünsche


  • Auf so einem Plakat ist viel Platz. Nutzt diesen Platz.
  • Eine Kurz-Biographie des Kandidaten würde helfen. Studiengang oder erlernter Beruf, Erfahrungen und Fachgebiete wären äußerst hilfreich.
  • Das komplette Wahlprogramm muss es nicht gleich sein, aber eine verständliche Kurzfassung wäre auf größeren Flächen durchaus denkbar. Da würde ich sogar zum Lesen stehen bleiben.
  • Es gibt solche viereckigen Barcodes, die mittlerweile fast jeder Bundesbürger mit dem Smartphone abscannen kann. Nutzt sie!! Leitet weiter auf informative Webseiten, auf Online Formulare auf denen man Fragen stellen kann oder ähnliches.
  • So viele Leute beschmieren gerne Wahlplakate. Warum also nicht mit dem Bürger über ein Wahlplakat in den Dialog treten? Ein bisschen Platz freilassen damit man zu dem Wahlslogan Fragen stellen kann. Diese werden dann einmal pro Woche gesammelt und auf der Webseite beantwortet. Das spart nicht nur Druckerfarbe, sondern wirkt wirklich mal interaktiv (da steckt das Wort aktiv drin).
  • Unter jedem Wahlplakat sollte eine Internetseite stehen, auf der man Feedback geben kann. Eine Studie der Uni Hohenheim hat ergeben, dass die Verständlichkeit von Wahlprogrammen und Plakaten kaum noch vorhanden sei. Diskussionsbedarf ist da. Nutzt das wenige Interesse, was noch da ist.
  • Content Management ist in aller Munde. Dabei geht die Firma, die etwas verkaufen will auf Wünsche des Kunden ein, um ihn an die Marke zu binden und den Absatz zu steigern, indem sie ihm etwas bietet, was der Kunde haben will. Die Politik sollte sich dieser Werbestrategie endlich auch anschließen!
In eigener Sache: Ich würde mich über ein +1 und den ein oder anderen Follower/Kontakt bei Google + oder Twitter-Follower freuen.



Politisches, Nachdenkliches und Lustiges zum Weiterlesen:

Was Wahlstatistiken und wirklich erzählen – Eine ungewöhnliche Analyse

Unfreie Rebellen – über die Polemik und Wortwahl in linken Zeitungen


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Freitag, 22. August 2014

Gegenderte Verkehrsschilder - Feminismus und Gleichstellung at its best



Ich fuhr letztens auf dem Rad an einer stark beschilderte Baustelle entlang. Dahinter endete der Radweg und dort stand ein Schild, welches den vor mir liegenden Weg als Fußweg deklarierte:
(Verkehrszeichen in Deutschland seit 1992)
Eigentlich ganz schön stereotyp, dachte ich bei mir. Eine Frau mit einem Kind an der Hand als Sinnbild für „Fußgänger“. Warum schlägt da die Feministenliga nicht Alarm?
Warum zeigt man nicht etwa einen Mann mit Kind?
(Verkehrszeichen in Deutschland 1953 bis 1970)
Oder man zeigt einen Menschen so stilisiert, dass die Figur weder als Frau, noch als Mann zu erkennen ist? In etwa so, wie bei dem Schild für den Zebrastreifen
(Verkehrszeichen in Deutschland seit)
In allen Texten, besonders in Verordnungen und Gesetzestexten, muss neuerdings alles „durchgegendert“ werden. Nur Männer anzureden oder nur Frauen (seltener) gilt als verpönt. Die Frau will ja „nicht nur mitgenannt“ werden, sondern beansprucht ihre eigene Stellung. Damit will man dem Stereotyp entgegentreten, dass vor allem bei Berufsbezeichnungen u.ä. immer die maskuline Bezeichnung zu lesen ist. Dieses Verfahren macht Texte ungleich länger und noch zäher, was schließlich die Verständlichkeit herabsetzt. Aber Vorschrift ist Vorschrift. Immerhin ist es billiger sämtliche Gesetzestexte zu überarbeiten, statt den Frauen einfach mal genauso viel Lohn zu zahlen, wie ihren männlichen Kollegen.
Das interessante ist, dass dieses Schild mit Frau und Kind noch gar nicht so alt ist. Auf den früheren Straßenschildern bis 1970 ist immer ein Mann mit Kind zu sehen. Moderne Vaterrolle also.
Dieses Schild schließlich geändert, weil es in den 60er Jahren eine heftige Debatte gegeben hatte und man hinter allen Männern mit Kind potentielle Kinderschänder vermutete. Danach wurde dann dieses Verkehrszeichen eingeführt:
(ab 1970 bis 1990)
Und heute gibt es eben das anfangs gezeigte Zeichen.

Was der Feminismus unserer Kultur – und unserer Schilderkultur – gebracht hat, sieht man an einem weiteren Beispiel.
Zwischen 1953 und 1956 kam dieses Verkehrszeichen auf, was doch sehr stark an eine Frau erinnert, mehr denn an einen Mann jedenfalls.
Verständlich. Männer waren kurz nach dem Krieg Mangelware und so haben Frauen die Trümmer weggeräumt und Schutt geschaufelt. Was für ein Zeichen starker Frauen! Was für ein Zeichen von Gleichberechtigung am Arbeitsplatz! Diese Zeichen wurde wenig später ersetzt durch dieses sehr männliche Sinnbild eines Bauarbeiters
 Der bekam 1970 Magersucht.
 
Und seit 1992 müssen wir auf dieses Männchen gucken, was in der Mitte zweiteilt ist und keine Füße und Hände besitzt.
 
Außerdem ist seine Schaufel gerade abgebrochen. Eindeutig Kennzeichen für eine Wirtschaft mit der es nach oben geht.




Und ein niedlicher Artikel zu Männern und Frauen auf Toilettenschildern: http://hystericalmarissa.blogspot.de/2010/08/go-where-sex-gender-and-toilets.html



Passend zum Thema:
Warum ich die Frauenquote kritisch sehe.