Freitag, 29. Dezember 2017

Der Wert von Luxus - Mein tägliches bling-bling gib mir heute



Der Mensch definiert sich heute mehr als jemals zuvor über seinen Besitz. Grund genug sich über diesen Zustand einmal ein paar Gedanken zu machen.

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ hieß es mal in einer Werbung für Geldanlagen, als zwei Männer versuchten sich mit ihrem Besitz gegenseitig zu übertrumpfen.

Es ist sicherlich ein Stück weit genetisch, denn die Damenwelt fühlt sich schon seit der Steinzeit von dem Männchen magisch angezogen, das am ehesten Überlebenssicherheit verspricht. Sei es, weil es das kräftigste Männchen ist, das am ehesten zwei Rehe statt nur einem Reh erlegen kann, sei es weil es das mächtigste Männchen ist, das die anderen einfach enthaupten lassen kann, wenn sie ihm nicht in den Kram passen. Reichtum eignet sich hervorragend, um Frauen zu erobern.

Heutzutage ist es schwer geworden sich über Reichtum zu definieren. Was ist Reichtum? Ist dieser Reichtum erstrebenswert? In einer Welt in der selbst Arbeitslose sich ein Smartphone leisten können, fällt es schwer brauchbare Grenzen zu ziehen. Ein Luxusgut ist auch nur dann ein Luxusgut, wenn man es als solches definiert – und als solches erkennt. Was nützt die teuerste Rolex am Arm, wenn keiner den Wert des Chronographen erkennt. Luxusgüter werden gekauft, weil Käufer und Betrachter wissen, dass es sich um ein Luxusgut handelt. Ansonsten hätte er sich ja auch einfach eine Uhr für 50 € kaufen können, denn sie erfüllt den Zweck genauso wie teure Uhr. Wenn kein Mensch den Wert der Uhr oder des Autos kennen würde, könnte man damit keinen Eindruck schinden.

Aber genau hier zieht sich schon eine erste Grenze in unserer Welt. Wo vor 200 Jahren die meisten Familien noch am Existenzminimum lebten und jeder Tag ein Kampf ums nackte Überleben war, hat heute – zumindest in Deutschland – fast jeder eine gewisse Grundabsicherung, die ihm ein bequemes Leben in einem gewissen Rahmen ermöglicht. Niemand muss hungern und alle haben ein Dach über dem Kopf. Die schlaue Dame von heute muss also den potentiellen Beschützer anders bewerten. Und da kann Luxus auch wieder kontraproduktiv sein, denn was nützt der schnittigste Lamborghini, wenn man darin keinen Kindersitz unterbringen kann.

Je höher man also die Grenze setzt für eine Grundabsicherung (z.B. Hartz IV), umso mehr büßt ein Luxusartikel ein Prestige ein. Was gehört zum Lebensminimum dazu? Früher zählte der Besitz eines Fernsehers zum Luxus. Heute ist ein Fernseher eine „Grundausstattung“, die vom Arbeitsamt bezahlt wird. Auch Flatscreen-TVs und Smartphones konnten sich anfangs nur Wohlhabende leisten, heute besitzt fast jeder so etwas.

„Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden.“ steht in der Bibel. Die Bibel wurde aus einem Endzeitdenken heraus geschrieben, der Verzicht auf Güter jeglicher Art gehörte für Diejenigen zum guten Ton, die sich ein besseres Leben nach dem Tod erhofften. Unserer heutigen Welt ist es nicht ganz so einfach. Der Mensch wird immer älter und das Ende der Welt wird zwar von vielen Zeitungen tagtäglich herbei geschrieben, wird aber vermutlich nicht so bald eintreffen. Dementsprechend sammelt sich viel an. Zumindest jeder wird heutzutage einen eigenen funktionstüchtigen Rechner haben, einen mehr oder weniger vollen Kleiderschrank, verschiedene Schuhe, eine Wohnung oder ein Zimmer, ein paar Bücher, Geschirr und Besteck, einen Vorrat an Lebensmitteln und Akten. Deutsche brauchen Akten. Wirft nichts weg, irgendein Amt könnte es in zehn Jahren noch einmal brauchen.

Wie schwer ist es also heute auf Prestige und Luxusgüter zu verzichten? In den Schulen ist der Druck heute besonders hoch. Ohne die richtigen Markenklamotten wird man nicht akzeptiert. Und was Kinder einmal lernen, bekommt man schwer wieder raus. Und man glaubt ein Leben lang, man müsse dies oder jenes besitzen, um von anderen akzeptiert zu werden, gemocht zu werden, beliebt zu sein, Anerkennung zu finden usw. Diesen Trend nicht mitzumachen bedeutet ein hohes Maß an Selbstbewusstsein. Nonnen beispielsweise lehnen privaten Besitz ab; Kleidung, Schuhe und Wohnung werden von der kirchlichen Gemeinschaft gestellt. Das bedeutet natürlich auch, dass beim Austritt aus dem Kloster der Abstieg in die Sozialhilfe droht, da auch nie in die Rentenkasse oder Sozialversicherung eingezahlt wurde.

Man muss aber nicht wie eine Nonne leben, um ein Leben ohne Luxusgüter zu leben. Heute reicht es, wenn man bei mittleren Einkommen Kinder hat. Das wirklich wahre Luxusgut heute sind Kinder. Und wer reich ist und etwas auf sich hält, zeigt sich mit seinem Nachwuchs in der Öffentlichkeit. Aber auch das funktioniert nur, weil alle wissen, wie teuer Kinder sind. Die meisten Eltern leben glücklich mit ihren Kindern und haben keine Luxusgüter, stecken stattdessen alles Geld in ihren Nachwuchs.

Fazit: Ein Luxusgut ist nur solange ein Luxusgut, solange alle wissen wie unglaublich teuer es ist. Sinkt das Bewusstsein über den Wert des Gegenstandes, dann ist der Gegenstand mit seinem Zweck als Prestigeobjekt nichts mehr wert. Wenn man aber Kinder hat, so sind sie immer etwas wert, auch wenn niemand mehr weiß, wie teuer Kinder sind


Bildnachweise:

An der Nordsee hellem Strande – Seltsame Fundstücke


Im Sommer 2017 war ich mit der Familie in Dänemark. Strand, blaues Meer, Muscheln sammeln, mit den Kindern im Sand buddeln - ein Traum für viele Urlauber.
Im Vergleich zu Deutschland oder anderen Inseln, von denen man schon einmal Fotos gesehen hat, sind die Strände an der dänischen Nordseeküste wirklich sehr sauber und aufgeräumt. Fast überall sieht es so aus wie hier auf den folgenden Bildern.


Bei einer Strandwanderung entdeckte ich allerdings eine ganze Menge Plastikmüll. Handschuhe, Eimer, Kanister, Netze und Seile.











Sicher, die See ist rau und solche Dinge fallen auch schon einmal bei starkem Seegang von einem Schiff herunter. Vor allem, wenn man sie vorher nicht richtig festgebunden hat.
Die meisten Sachen werden ja irgendwann zurück an den Strand gespült und können dort aufgelesen werden.

Viel interessanter sind jene Sachen, die nicht vom Meer kommen sondern an den Strand geworfen wurden. Badelatschen, Plastetüten, Flaschen, Picknickmüll, Buddelförmchen und Sandschaufeln.






Und das ist an den wenig besuchten Stränden, an denen ich war noch nicht einmal ganz so schlimm wie an den viel besuchten Stränden der Hauptferienorte. Hier sind wir gefragt. Es ist unsere Aufgabe unseren Müll auch wieder mitzunehmen.

Völlig fassungslos war ich über einen großen Kühlschrank, der am Strand lag.


Für diesen Müll sind weder nachlässige Strandbesucher noch starker Seegang verantwortlich. Hier handelt es sich schlichtweg um die illegale Entsorgung von Sperrmüll, noch dazu giftigen Sperrmüll, Stichwort FCKW.

Viel schlimmer fand ich aber diese sandfarben Klumpen, die überall am Strand herumlagen. Sie waren relativ weich und ließen sich eindrücken, sie hatten etwa die Konsistenz von Paraffin und rochen wie eine Tankstelle. Ich wusste erst nicht was das ist, als ich es fotografierte. Aber später machte ich mich darüber kundig und entdeckte zahlreiche Internetartikel zu diesem Thema. 2016 wurden scheinbar größere Mengen davon an den Stränden gefunden. Borkum, Sylt, Rügen, kaum eine deutsche Insel blieb verschont. Forscher gingen der Sache nach und fanden heraus, dass es sich um Erdölprodukte aus Tankern handelt. Dabei handelt es sich nicht um Treibstoff, sondern um Paraffine für Pharmazeutika und Kosmetika. Nachdem die Ladung gelöscht wurde und die Tanks im Hafen grob vorgefertigt wurden, dürfen die Schiffe in der Küstenzone ab einer bestimmten Wassertiefe die Reste der Erdölprodukte ganz legal aus den Tanks spülen. Bei entsprechenden Wind-und Wellenverhältnissen findet sich dieses Paraffin wenig später an den Stränden wieder.


Warum das alles für uns so gefährlich ist? Plastik braucht sehr, sehr lange, um sich zu zersetzen, nämlich mehrere 1000 Jahre. Die Tiere und auch wir Menschen müssen allerdings schon heute damit leben. In den Dünen Dänemarks und den kleinen Wasserbecken an den Stränden leben zahlreiche kleine und große Tiere.









Auch Vögel brüten hier. Für sie und für die Fische besteht Gefahr durch herumtreibenden Netze. Sie können sich darin verfangen und müssen dann jämmerlich sterben.

Besonders gefährlich ist allerdings das Mikroplastik. Sie befindet sich hauptsächlich in unseren Cremes, Peelings oder Zahnpasta. Mikroplastik kann von den Kläranlagen nicht aus dem Abwasser gefiltert werden. Es gelangt ungehindert ins Meer. Ebenso auch die kleinen Plastikteilchen, die von größeren Plastikteilen in den Meeren abbrechen und von Wellen und Wind kleingerieben werden. Diese winzigen Plastikteilchen gelangen in die Nahrungskette.
Fische nehmen es mit der Nahrung auf, denn es befindet sich mittlerweile mehr Mikroplastik in der Nordsee als Plankton, was die Hauptnahrung vieler Meeresbewohner ist. Forscher schätzen, dass jährlich über 6 Millionen Tonnen Müll in unseren Meeren landet. Das Mikroplastik landet in den Mägen der Fische. Sie können es aber nicht verdauen. Die Folge sind satte Fische, die verhungern. Immer wieder finden Fischer zahlreiche Fische mit Mägen voller Plastik. Das betrifft nicht nur kleine Fische, sondern auch bedrohte Arten, wie Delphine und Wale.

Auch für den Menschen ist die hohe Konzentration an Plastik in unseren Weltmeeren gefährlich. Wenn wir Fische fangen und essen, dann gelangt dieses Mikroplastik auch in unseren Magen. Das ist sehr schädlich für uns. Mittlerweile befindet sich Mikroplastik sogar in unserem Trinkwasser. Und es wurde auch schon in Honig und Bier nachgewiesen. Die Auswirkungen dieser großen Mengen von Plastik sind bisher kaum erforscht. Zurzeit wird daran geforscht, ob auch wir Menschen, wie zum Beispiel Muscheln, dass Mikroplastik in unserem Körper ansammeln. Das kann zu Entzündungen und Vergiftungen führen kann. Forscher prüfen zurzeit, ob Mikroplastik-Partikel, die sich zwischen unseren Zellen angelagert haben, die Kommunikation zwischen den Zellen stören.
Was in den Meeren ist, kommt irgendwann zu uns zurück. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu handeln. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man Plastik und Mikroplastik im Alltag vermeiden kann, und damit die Müllmenge reduziert. So müssen weder Tiere noch Menschen leiden.